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Donnerstag, 21. Februar 2008

Baumschlachten


  An dieser Stelle vor dem Fahrradhaus  standen diese  3 hochgewachsene Fichten.

  Jetzt sieht es so aus.

  Und hier  wuchs bis vor 2 Tagen eine riesige wunderschöne Blautanne.

  Und der alte Baum dort  ist jetzt nur noch ein nackter Stamm.

Auch noch einige andere Bäume und Sträucher hier im Park meines Wohnblocks mussten radikal Federn lassen und dran glauben. Es sind ganz grausame Geräusche, die bei solchen Wartungsarbeiten an der Natur schmerzhaft in den Ohren tönen - kreischende Motorsägen und gleich daneben der Shredder, der die Äste an Ort und Stelle verwurstet. Das Ganze wirkte hinterher sehr aufgeräumt ... :-(

Ich habe keinen auch nur annähernd verständlichen Grund sehen können, aus dem dieses Baumschlachten notwendig gewesen wäre. Unverständliche Gründe gab es allerdings. Dazu muss man wissen, dass der ganze schöne Park hier natürlicherweise wächst, jedes Jahr werden die Büsche dichter und die Bäume höher. Und genau das ist ihr Fehler, behindern sie doch zunehmend die teuer gekaufte Aussicht auf die Stadt, die von hier oben tatsächlich bemerkenswert ist. Was für eine Dreistigkeit seitens der Bäume!

In der Tat war die schöne Aussicht und der Weitblick eines der wesentlichen Verkaufsargumente vor einigen Jahren, als die Umwandlung der Miet- in Eigentumswohnungen begann. Es war beschämend, wie die Schönheit eines Fleckchens Erde benutzt wurde, um eine nicht mehr ganz neue und an einigen Ecken und Enden erneuerungsbedürftige Wohnanlage möglichst gewinnbringend an Einzelbesitzer abzustoßen.

Zu Beginn der Verkaufsaktionen hatte der beauftragte Vermittler gar die Unverfrorenheit, mich zu fragen, ob ich ihm nicht ein paar von meinen schönen Fotos zur Verfügung stellen wolle - das sei doch eine wunderbare Werbung für die wunderbaren Wohnungen ... Er konnte nicht ahnen, dass er da die ganz falsche Frau gefragt hat. Nun ja, ich hab's ihm erklärt, er war dann nicht mehr ganz so freundlich.

Zurück zu den Laubsägearbeiten ... Da die betroffenen Bäume zwar alt, aber stabil und gesund aussahen, hab ich nach dem Grund der Baummorde und -verstümmelungen gefragt. Einer war ehrlich und nannte als Grund die Sichtbehinderung. Eine andere Antwort lautete, die Bäume seien krank gewesen, und selbstverständlich sei die Aktion mit der Naturschutzbehörde geprüft und abgesprochen worden. - Ach, hört mir doch auf mit euren scheinheiligen Lügen - das sind Totschlagargumente!

Und selbst wenn alle diese sehr stabil ausgesehen habenden Bäume krank gewesen wären - haben sie dann kein Recht mehr, weiterzuleben? Und haben Bäume kein Recht, in Frieden dann zu sterben, wenn ihnen danach ist?

Mir ist bewusst, dass diese Beschneidungs- und Fällwut gang und gäbe geworden ist, in Göttingen sowieso. Bäume und Sträucher dürfen nicht mehr in den Himmel wachsen. Hier jedenfalls haben sie niemandem geschadet, niemandem Licht oder Lebensraum weggenommen, hier ist Platz satt. Sie mussten weichen wegen menschlicher Selbstherrlichkeit, Respektlosigkeit der Natur gegenüber und der Abgestumpftheit gegenüber der Tatsache, dass Bäume wie Menschen lebendige Wesen mit Empfindungen und Seelen sind.

 

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