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Kalenderübersicht | 2006

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Das Recht, in Ruhe gelassen zu werden, ist der Anfang aller Freiheiten.

(William O. Douglas)



Die Herrschenden müssen bewacht werden, nicht die Beherrschten.

(Friedrich Dürrenmatt)



Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen; lesen, was einem die Zensoren erlauben; glauben, was einem die Kirche und Partei gebieten. Beinkleider werden zur Zeit mittelweit getragen. Freiheit gar nicht.

(Kurt Tucholsky)



 

Mittwoch, 11. Oktober 2006

Gestern abend hab ich Kraniche gehört und genau 2 gesehen ... die Vorhut dann wohl. Und in den kommenden Wochen, wenn die große Schar nach Süden zieht, werd ich wie jedes Jahr ihnen nachschauen und dem Sommer hinterherweinen. Aber noch nicht ... der Rest dieses wundervollen Sommers ist noch nicht vorbei - die Tage sind noch viel zu schön und warm.

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Wenn ich beim Gang durch die Stadt in den unendlichen ordentlich-chaotischen Tiefen meiner Tasche grabe, den Einkaufszettel suche und mir dabei ein Papiertaschentuch, ein Bonbon oder ein Stück Keksverpackung herausfällt, und wenn ich dieses in Middlesbrough tue, muss ich damit rechnen, dumm von der Seite angemacht zu werden. Oder von oben, oder von schräg hinten. In dieser englischen Stadt (wie hier schon angeschnitten) - gerade so groß wie meine Stadt - gibt es Menschen, die sich bemüßigt fühlen, andere  Menschen öffentlich über Videokameras - das ist alt - auf Schritt und Tritt zu beobachten und - das ist neu - sie ebenfalls öffentlich und für alle im Umfeld Anwesenden hörbar über »Lautsprecher ob ihres Tuns zu ermahnen. Die dortigen Autoritätsvertreter haben sich nämlich in den Kopf gesetzt, "antisoziales" Verhalten mit Nulltoleranz abzuschaffen. (Mehr Interessantes zur Thematik öffentlicher Menschenbeobachtung gibt's »hier.)

Aha. Was bitte ist antisoziales Verhalten? Wer beurteilt das? Und nach welchen Maßstäben und Kriterien? Wie kommt ein Mensch dazu, einen anderen Menschen öffentlich derartig zu demütigen?

Wieder einmal werden Menschen mehrheitlich in buchstäbliche Mitleidenschaft gezogen für "falsches" Verhalten einer Minderheit.

Nicht dass ich es richtig finden würde, wirkliche Bedrohung durch echte Kriminalität für andere einfach so zuzulassen. Es sind nur leider die völlig falschen Methoden, Menschen "soziales" Verhalten näherzubringen. Es sollten besser kompetente Menschen dafür eingesetzt werden, das "unsoziale" Verhalten zu hinterfragen und Ursachenforschung zu betreiben und menschenfreundliche (!) Programme zu entwerfen, die Verständnis, Begreifen und Auflösung solcher innerer psychischer Strukturen bewirken. Letztlich ist jedes kriminelle/unsoziale Verhalten ein Ausdruck unterdrückter Bedürfnisse und Emotionen, die sich auf frustrierte negative Weise ein Ventil verschaffen.

Solange Menschen allerdings Regierungen über sich haben (wollen), die genau in denselben Strukuren denken und handeln - nämlich eigenmächtig andere mit ihrem Willen belegen - und ihrerseits immer ungebetenere und einschränkendere Macht ausüben - beispielsweise durch die unsägliche Eventualitätspräventivterrorabwehr-verhinderungsprophylaxe, wird eine Wendung zu sozialem Verhalten in kleinem und großem Rahmen niemals funktionieren. Menschenfreundliches soziales Miteinander ist nicht mit Zwangsmaßnahmen zu erreichen. Oder anderes ausgedrückt: Druck erzeugt immer Gegendruck - eine Eskalationsspirale, die sich wieder anderswo ein neues Ventil suchen wird. Woraufhin wieder neuer Disziplinierungsdruck ausgeübt wird, und so weiter und so fort. 

Und wer guckt (und klopft!) den Beobachtern auf die Finger??


Donnerstag, 26. Oktober 2006 15:10:12

»Makabre Fotos aus Afghanistan

Hat jemand geglaubt, brave deutsche Soldaten tun sowas nicht? Ah - wie wir erfahren, wurden Vorfälle solcher Kategorie bisher totgeschwiegen.

Das Kriegshandwerk ist Menschenverachtung pur - die konsequente Fortsetzung ist die Totenverachtung. Wer freiwillig oder unfreiwillig für das Kriegshandwerk ausgebildet wird oder ausbildet, in den Krieg oder auf kriegsähnliche Missionen geschickt wird oder schickt, darf sich nicht wundern, wenn diese Gehirnwäsche solche Ergebnisse hervorbringt.

Was mich aber fast noch mehr schockiert als diese logische Folgeerscheinung psychischer Entartung ist das Echo auf das Bekanntwerden der aus 2003 stammenden Fotos: Überall hört man nur das Lamentieren über den guten Ruf der Bundeswehr, und was sollen denn die Nachbarn denken. Die eigentliche Schande liegt in der völligen Respektlosigkeit gegenüber einem gestorbenen Menschen, seiner Seele und seinen irdischen Überresten. Einen lesenswerten Artikel gibt es noch bei »Freace, allerdings teile ich nicht die Meinung der Reduzierung des Vorfalls auf "Störung der Totenruhe" - das ist weit mehr als Störung von Totenruhe, das ist grenzenlose Verachtung menschlichen Daseins.

Und überhaupt ... "Bundeswehr" und "guter Ruf" ... Eine Gesellschaft, die Frieden, Recht und Ordnung, und was dergleichen erstrebenswerte Ziele sonst noch sein mögen, durch Bereitschaft zum vorsätzlichen Töten der eigenen Artgenossen für legitim, erforderlich und lobenswert hält, ist krank. Eine Gesellschaft, die sich anmaßt, selbstherrlich über das Wohl und Wehe der Menschen fremder Länder zu bestimmen, ist krank - schwer krank. Ebenso krank sind Psychologen, die Meinungen wie »diese vertreten. Nicht nur, dass sie solche "Triebe" offenbar für natürlich halten, sie scheinen auch der Meinung zu sein, mensch müsse Werte und Normen, Ethik und Moral erst lernen, da diese Qualitäten nicht angeboren seien. Aha ... nun ja ... was die kranken Werte und Normen, Ethik und Moral unserer Gesellschaft und unseres Zeitalters betrifft,  - einverstanden, die sind tatsächlich nicht angeboren ...  

Was generell mit Kriegstreiberei, Kriegsteilnahme und kriegerischen Krisenmissionen Usus ist: Menschen werden selbst zu militärischen Mitteln gemacht - man schicke Kampfmaschinen hinaus, man schicke Psychologen hinterher, die das Maschinengehirn im Krankheitsfall neu waschen, damit die Maschine weiter ihren Dienst verrichten kann. Und kaum einer sieht und kaum einer begreift das Paradoxe daran und das Ausmaß solch menschlicher Pervertierung.

Eine Welt, die tatenlos dabei zusieht, ist dem Tode geweiht. MENSCH - AUFWACHEN!!!

Update 21:44:25:

Das Ding scheint ja ein größeres zu werden ... die Nachrichtenwellen schlagen hoch und fördern noch mehr Unrat zutage. Abgesehen vom Unrat selbst - WIE krank die menschliche Gesellschaft geworden ist, springt mir in einem »Artikel (von mehreren) ins Auge. Zitat eines nicht näher genannten Beamten: »Die "Bild-Leute und die Fernsehjournalisten", wüssten "gar nicht, was sie anrichten". Die Veröffentlichung könne zu konkreten Gefährdungen für deutsche Soldaten in Afghanistan führen.« Ähm ... da dreht sich die Welt ja heftig verkehrt herum - meine Empfehlung, solcher Gefährdung abzuhelfen: Gar nicht erst Menschen in fremde Länder abkommandieren, um mit militärischen Mitteln fremde Kastanien aus fremdem Feuer zu holen!!

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Glücksboten

Ich rätsele noch herum, was die Kraniche zur Zeit treiben - es gab einen kleinen Zug von etwa 15 Vögeln am 13. oder 14.10. (hab's nicht festgehalten) und einen von etwa 8-10 Vögeln vor rund einer Woche. Mir scheint, das schöne Wetter hält sie noch ein wenig hier. Darauf lassen auch die »Zählungen an den Rast- und Sammelplätzen schließen.

Die seit ein paar Tagen meistgesichteten Flugobjekte hier in meinem Umfeld sind übrigens ... Marienkäfer. Wenn also die Kraniche, denen man nachsagt, Glücksboten zu sein, noch auf sich warten lassen, sind mir die Glückskäfer mindestens ebenso lieb :-)).


Samstag, 28. Oktober 2006 19:20:19

Heute denn mal wieder Göttingen im Belagerungszustand ... Es gab die angekündigte und genehmigte »NPD-Kundgebung mit 200 Personen, 6000 Polizeikräften aus ganz Deutschland - bis zu 4 Hubschrauber gleichzeitig waren über der Stadt zu sehen - und 4000 Gegendemonstranten, die gegen den Aufmarsch der Rechtsextremen protestierten.

Und wer zahlt all diesen Aufwand zum Schutz einer NPD-Kundgebung, nämlich »rund zwei Millionen Euro? Der Steuerzahler ... Ich fass es nicht. Die Polizeimaßnahmen richteten sich in erster Linie gegen die Gegendemonstranten, davon 500 Autonome. Für mich steht das alles in keinem Verhältnis - geht das nicht anders? Stell dir vor, es ist NPD-Demo, und keiner geht hin ... Muss man sich so provozieren lassen? Muss man es verstehen, dass die bundesdeutschen Hüter von Recht und Ordnung eine Kundgebung von Rechtsextremen mit solchem Aufwand beschützen? Ist die Demonstration von rechtsextremer Geisteshaltung deutsches Recht und Ordnung? Und schon hat die NPD wieder genau die Aufmerksamkeit, die sie wollte. Armes Deutschland ... *grusel*.

 

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