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Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht überwindet, erst dann wird es Frieden geben.

(Jimi Hendrix)




 Schwanenkinder, 10. Juni

 


Fußball, Tag 12, Göttingen, Marktplatz


vorher

nachher


»Froschkonzert, 21. Juni, Göttingen, am Leinewehr



Wetterleuchten


Die Schwanenküken,
2 Wochen später

 


 

Sonntag, 4. Juni 2006 00:36:04

So, wir wollen uns also einmal mehr in die Politik eines fremden Landes einmischen mit militärischen Mitteln.

Besteht eigentlich ein Unterschied zwischen dem Einsatz deutscher Soldaten im »Kongo und dem amerikanischen Militäreinsatz im Irak? Vom Prinzip her keineswegs - ist halt alles eine Frage der Argumentation. Für Recht und Ordnung sorgen ... demokratische Wahlen unterstützen ... einen Beitrag zum Frieden leisten ... Aha. Mit militärischen Mitteln.

Wie die Bundesregerung aber ebenso offen zugibt, geht es auch um wirtschaftliche Interessen. Aha. Weil der Kongo eines der rohstoffreichsten Länder sei. - Das klingt schon plausibler.

Woher nimmt eine Regierung das Recht, sich einen wirtschaftlichen Nutzen in einem fremden Land zu sichern? Woher nimmt eine Regierung das Recht, sich in die Politik eines fremden Landes einzumischen und Partei zu ergreifen für eine politische Strömung? Woher nehmen Menschen das Recht, Macht in einem der ärmsten Länder der Erde auszuüben? Woher nehmen Menschen das Recht, manipulativ einzugreifen in die Angelegenheiten fremder Menschen, die noch dazu Tausende von Kilometern weit weg leben? Geht es den Menschen dort noch nicht schlecht genug? Geht es uns noch nicht gut genug?

Gibt es nicht schon genug Länder, deren Rohstoffe und Bodenschätze gnadenlos zum Nutzen der wirtschaftlich starken Länder ausgebeutet werden, während die Menschen dort für einen Hungerlohn die Ansprüche der reichen Länder befriedigen und trotzdem in den elendsten Verhältnissen leben?

Solange der wahre Antrieb die Ausübung von Macht und die Sicherung von Vorteilen ist, werden alle solche Versuche zum Scheitern verurteilt sein, wird es keine bessere Lebensqualität dort geben. Und Soldaten waren noch niemals die geeigneten Personen, um Frieden zu schaffen. Solange Menschen über Menschen Macht ausüben, gleich zu welchem Zweck, solange wird es Krieg und niemals, niemals Frieden geben.

Wenn man Menschen helfen will, ein besseres Leben zu führen, zufriedener sein zu können und weniger Sorgen zu haben, setzt das als allererstes Mitgefühl voraus - Mitgefühl für Menschen, die unter etwas leiden und nicht die Möglichkeiten haben oder sehen, sich selbst zu helfen. Mitgefühl entsteht aus einem menschlich-sozialen Antrieb heraus, dass es allen Menschen wenigstens so gut gehen möge wie einem selbst.

Unter solchen Gesichtspunkten wird das, was da jetzt aktiv geplant ist, zur Farce, zum Spott und zum Hohn auf alle Menschlichkeit. Wäre ich teilnehmender Soldat und hätte den Eid auf die deutsche Demokratie geschworen, ich würde mich abgrundtief schämen und mir das nächstliegende Mauseloch suchen. Schämen vor den armen Menschen der Welt tu ich mich jetzt sowieso, nämlich für das Land, in dem ich lebe.

"Ich mache Ihnen ein Friedensangebot",
sagt der eine.
"Schießen Sie los",
erwidert der andere."
(Quelle unbekannt)

Nachtrag: Lara hat heute ins Gästebuch noch einen weiteren weisen Ausspruch eingetragen, der sehr gut gerade hierher passt:

Friede ist nicht das Gegenteil von Krieg.
Nicht der Zeitraum zwischen zwei Kriegen.
Friede ist mehr.
Friede ist das Gesetz menschlichen Lebens.
Friede ist dann, wenn wir recht handeln und wenn zwischen jedem einzelnen Menschen und jedem Volk Gerechtigkeit herrscht.
(Indianische Weisheit)


Dienstag, 6. Juni 2006 23:55:53

Der sonnenlose, fast winterkalte Tag gestern war nicht wirklich das, was ich mit "Juni" verbinde ... aber das »Abendkonzert (.mp3, 1,2 MB) der Vögel im Wald hat alles wettgemacht. Es war ein bisschen so wie

"Von einem frühen Tod
zeigt die Zikade sich unbeeindruckt.
Sie singt."
(Anthony de Mello)


Ein Vogelkonzert kann den Tag retten.


Freitag, 9. Juni 2006 22:07:36

Hingerissen höre ich mal wieder einer abendlichen Singdrossel zu, und mir fällt siedendheiß ein, da war doch irgendwas heute ... *grübelgrübel*. Ein Aufschrei von irgendwo draußen hilft mir sogleich auf die Sprünge - FUSSBALL. Oops. Allerdings bin ich nicht auf dem laufenden, wielange das Spektakel dauert ... 10 Tage? 2 Wochen? Na, das finde ich noch raus *g*. Die Atmosphäre draußen war schon am frühen Abend herrlich still - keine Straßengeräusche, keine Menschenstimmen, nur ab und zu schallte ein Gröhlen von downtown bis hier hoch, etwas später gefolgt von Gruppengröhlen und Siegesschreien ... aha, "wir" haben wohl gewonnen ... Jetzt ist wieder völlige Ruhe eingekehrt, fast gespenstisch, nur Vögel, ein Hund ... so idyllisch still wie selten. Und das bei schönstem Sommerwetter. Kann meinetwegen so weitergehen.

Die Fußballweltmeisterschaft (ich hoffe bloß, dieses Wort ist nicht auch als Marke geschützt, sonst krieg ich hier Ärger) ... ein Ereignis, das mir wie kaum ein anderes inzwischen so lächerlich vorkommt, dass es beinah weh tut. Absolut zum Lachen, wenn's nicht gleichzeitig zum Heulen wär.

Die »Überwachungsmaßnahmen haben ein Ausmaß erreicht, dass man meinen könnte, die Stadien seien Kriegsschauplätze, die Tickets wurden rechtzeitig an die politischen Freunde »verteilt, zur Ankunft der US-Fußballmannschaft wurde über die Hamburger Innenstadt der »Ausnahmezustand verhängt, das BKA hat ein »Lagezentrum eröffnet, das »Sexkaufangebot ist auch aufgestockt worden (oh-oh), es existieren auch »Vorschläge zur optimalen Anpassung des Wetters (was der Absurdität die Krone aufsetzt), den Dreck werden die Ärmsten der Nation »wegräumen - hurrah, es gibt endlich Arbeit!

Kurzum - dieses Land ist einfach K R A N K ! Wo bitte geht's hier raus?!

Stell dir vor, es ist Fußball, und keiner geht hin ... in diesem Staat undenkbar, aber Stoff für einen Sci-Fi-Roman - oder?

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Zum Thema "Wettermanipulation" und HAARP bin ich mal wieder über einen »Artikel (mit Sublinks) gestolpert, der Dinge beim Namen nennt, von denen kaum jemand etwas weiß. Wie lange wird die Erde noch mitmachen?

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Und zum Schluss ein Link zur Frustkompensation: »zefrank, dorthin viel Zeit mitnehmen und durch die Rubriken stöbern. Köstlich und mit eigenwilligem Humor!


Montag, 12. Juni 2006 00:32:58

Wie die Erde allmählich zur Atombombe wird
oder: Die wahnsinnige Selbstüberschätzung kranker Köpfe

Was hinterlassen wir unseren Nachfahren an Lebensraum? Wie unkontrollierbar und risikoreich der Umgang mit Atommüll weltweit rund um Atomkraftwerke und verwandte Industrien geworden ist und im Grunde immer war, zeigt dieser »Artikel *). Fehleinschätzungen geologischer Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Lagerung von Atommüll machen die Nutzung von Atomkraft zu schierem Wahnsinn. Und doch wird immer wieder glauben gemacht, Atomkraft sei kontrollierbar. Der Wahnsinn herrscht auch in Deutschland, z.B. im ehemaligen Salzbergwerk »Asse II bei Wolfenbüttel. "Auf Kosten des Steuerzahlers werden seit August 1995 täglich rund 1.200 Tonnen Verfüllmaterial herantransportiert und in die Grube geblasen. Kosten von mindestens 120 Millionen Euro sind dabei entstanden, ein Austritt von radioaktiven Nukliden ist dennoch nicht ausgeschlossen." (Zitat aus dem o.g. Artikel)

Man lese, lasse sich diese Zahlen im Kopfe zergehen und mache sich Gedanken darüber, was ein jeder dazu beiträgt, diesen Wahnsinn zu unterstützen. Und man mache sich Gedanken darüber, was ein jeder tun bzw. lassen könnte, um diesen Wahnsinn zu verweigern.

*) Die bisherige Artikelserie "15 Irrtümer über die Atomenergie" ist unter dem Artikel verlinkt.


Mittwoch, 14. Juni 2006

Sonne ohne Ende, strahlend klarer blauer Himmel, Wärme bis in die hintersten Winkel und ein laues Lüftchen bis in die Nacht - Entschädigung für den langen Winter!


Sonntag, 18. Juni 2006 00:40:23

Wenn man so durch die Stadt spaziert, könnte man meinen, die Leute seien verrückt geworden - viele jedenfalls. Überall drinnen und draußen in den Cafés Riesenfernsehschirme, zu sehen auf allen das gleiche - die Jagd nach dem Ball. Die Menschen haben sich verkleidet wie sonst in der hiesigen Gegend nicht mal zu Karnevalszeiten, in schwarz-rot-gelben Stoff oder auch ballmusterbedruckten Outfits, die Gesichter ebenfalls in schwarz-rot-gold gehalten, Bierflasche in jeder zweiten Hand, gröhlseliges Grinsen in mindestens jedem dritten Gesicht, schwarz-rot-gelbe Wimpel an jedem vierten Manta Auto, schwarz-rot-gelbe Fahnen an jedem fünften Balkon ... ach wie ist das Leben schön.

Können wir doch jetzt mal 4 Wochen lang die deutsche Sau rauslassen *grunz*, und endlich mal nationalistische Gefühle zeigen, was zu anderen Zeiten einen gewaltigen Beigeschmack hat ... Die Volksseele ist glücklich.

Lebensfreude ist für mich allerdings etwas gänzlich anderes als dem schwarz-rot-goldenen Kasperltheaterspektakel zuzujubeln.

Was mich an diesem neuen Patriotismus so nach- und bedenklich stimmt, ist die Tatsache, dass unser schönes teutsches demokratisches Land in vielem allmählich wieder zurückfällt in alte Zeiten. Nicht nur, dass die Demokratie flöten geht, nicht nur, dass Bespitzelung und Überwachung pausenlos zunimmt, halt mit neueren technischen Mitteln -  ja, und »Arbeitsdienst wird auch wieder gefordert. Hat jemand geglaubt, dieser spezielle Volksgeist sei ausgestorben? Und mit Flaggezeigen fängt's halt an - oder wie oder was??

Übrigens, ein sehr schönes Foto deutscher Balkonbeschaulichkeit in Zeiten der akuten Fußballgrippe lässt sich »hier betrachten - ist absolut zum Philosophieren geeignet! Der Artikel dazu ist ebenfalls interessant zu lesen. Die neue deutsche Freude an drei bestimmten Farben ist ja auch auffällig. 

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Zur Zeit ist ein paar Tage lang die ISS am Nachthimmel zu beobachten - eben hab ich sie gesehen. Alle ca. 90 Minuten hat sie die Erde einmal umrundet, taucht am Horizont auf und zieht ihre Bahn als sehr hell strahlender und ziemlich schneller Stern in etwa 350 km Entfernung. Ist schon ein merkwürdiges Gefühl ... ich würde gern mal 3 Runden mitfliegen ... »Hier kann man abfragen, wo die Raumstation wann zu sehen ist.


Freitag, 23. Juni 2006 23:14:56

Wer um alles in der Welt hat das Recht, Menschen »vorzuschreiben, was sie mit welchem Saatgut säen und ernten?? Was im Irak geschieht, ist schier unfassbar und kann einem die Zornesröte ins Gesicht treiben. Durch den fortwährenden mörderischen Krieg liegt die Landwirtschaft sowieso am Boden - und flugs machen sich die Saatgutkonzerne daran, die Notlage als Geldeinnahmequelle zu benutzen, und die US-Besatzer untermauern das auch noch mit Gesetzen. Und das heißt dann "Wiederaufbau" und "Entwicklungshilfe" ...

Eine weitere unglaubliche »Schande im Irak ist das Verschleudern von verwertbaren Ressourcen und die Vergiftung ganzer Landstriche mit Bunkeröl, was zu einer Umweltkatastrophe zu werden droht - es lebe die Gewinnmaximierung! Und die Welt schaut zu ... Was war noch mal gleich die offizielle Begründungsversion für den Einmarsch in den Irak?  

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Eine weitere Zerstörung von historischem Erbe und Umwelt findet in China statt durch den nach 12 Jahren jetzt fertiggestellten »Dreischluchten-Staudamm. Der 6300 km lange Fluß Jangtse ist durch die Staumauer unterbrochen und kann nicht mehr frei fließen, ein gigantisches natürliches Gefüge der Erde wurde unter die Hände von Menschen gezwungen, denen das Gleichgewicht der Natur nichts mehr wert ist - es lebe der Fortschritt. Ein Fortschritt, dem ganze Städte und Dörfer und die Menschen der Region mit ihrem Lebensraum zum Opfer gefallen sind. Ein Fortschritt, der schon vor einigen Jahren zweifelhaft zu erscheinen begann - man wird sehen, wohin es führt.  


Samstag, 24. Juni 2006 23:36:41

Fußball, Tag 16

Ich habe mich mitten hinein begeben heute abend ...

Die »Ruhe vor dem »Sturm ... dann »tobte die »Innenstadt, bis hinauf aufs »Dach. Das arme »Gänseliesel war vollständig belagert - aber diesmal bekam es keine Küsse und Blumen von frisch gebackenen Doktoren. Die Fußball-»Accessoire- und -»kostümindustrie verdient gut, die Autozubehörindustrie auch - »soviel wurde noch nie »gehupt.

Die Menschen toben sich richtig aus - ich habe lange nicht mehr soviele bierflaschenschwenkende gröhlende Betrunkene gesehen. Und das gibt mir zu denken ... von wegen Lebensfreude.

 

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