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Die unausweichliche Begegnung


Es grollte schon hinter den Bergen am Horizont, schwere Wolken türmten sich über der Brücke im Park des Großmoguls. Der Herrscher saß in einem weißen Zelt beim Schach. Diener fächelten ihm Kühlung zu. Neben dem Zelt scharrte ungeduldig sein Rapphengst „Blitz“.

Da drängte sich sein junger Wagenlenker durch die Wachen und warf sich, aschfahl, am ganzen Leib zitternd, dem Mogul zu Füßen: „Herr, Herr!“ – „Was ist mit dir, Ali? Kannst du nicht warten, bis die Partie zu Ende ist?“ 

„Mit mir ist es zu Ende, Herr, wenn Ihr mir nicht den Rapphengst zur Flucht in die Festung am Brückenkopf auf dem anderen Ufer leiht! Drunten im Park, bei dem großen Mangobaum, steht der Tod und winkt mir!“

„Nimm ihn, Ali, reite! In der Festung bist du sicher.“ Ali sprengte davon.

Der Großmogul ging in den Garten, wo er den Tod noch antraf. „O Endiger des Lebens,“ sagte
der Mogul, „du Unerbittlicher hast meinen Wagenlenker tief erschreckt.“ „In diesem Fall war es an mir zu erschrecken“, sagte der Tod. „Ich habe nämlich den Auftrag, deinen Wagenlenker in wenigen Augenblicken in der Festung am Brückenkopf abzuholen. Darum war ich erschrocken, als ich ihn hier antraf. Wie will er denn so schnell dahin gelangen?“

(Sage aus dem alten Orient)

 

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